Versuch einer Annäherung Liebe gleicht dem Duft der Rose


Dr. med. Klaus Bielau

Eigentlich dreht sich alles nur um ein Thema, ein einziges: LIEBE. Doch warum ist so viel Verwirrung mit diesem Wort verbunden? Jede Kreatur, ob Pflanze, Tier, Mensch, ja sogar die vordergründig unbeseelte Materie will geliebt werden.

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Die Weltliteratur, Kunst, Philosophie – vor allem die Religionen sind voll mit der Ahnung, der Sehnsucht nach Liebe, Erlösung, Auferstehung usw. Große Werke sind geschaffen, die die Liebe vergöttern … Und dann fragst du dich, unvoreingenommener Beobachter des Weltgeschehens, warum es im Kleinen wie im Größeren so aussieht auf unserem Planeten? Kriege, Verwirrung, Gewalt; Lüge und Korruption durchdringen alle gesellschaftlichen Systeme bis zum Zerbrechen. Jedoch: Wenn wir mal den ganzen Medien-Unsinn links liegen lassen, uns eine Zeit lang nicht mehr mit Presse und digitalem Getöse ablenken, uns reduzieren auf das, was in uns, in unserer unmittelbaren Umgebung lebt und geschieht, kann es durchaus sein, dass lichte Strahlen des Wohlwollens und der Vernunft in uns lebendig werden. Was ist an der Liebe eigentlich schwer? Ja kann in der Liebe überhaupt etwas schwer sein? Im Wesentlichen, denke ich, ist es unsere Unfähigkeit, uns selbst, unser tiefstes, Inneres zu lieben. … Und ich merke gerade, dass es gar nicht so einfach ist, über Liebe zu schreiben, wenn man nicht ertrinken will in oberflächlichen Klischees.

Ich glaub an eine Lehre, von der man sagt, sie wäre auf Erden selbst sich Lohn. Die Lehre, die ich übe, die Lehre heißt die Liebe. Sie ist mir Religion.

(Rainer Maria Rilke)

„Die Kunst des Liebens“ von Erich Fromm wurde im Abendland, seit den 60er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts zu einem Weltbestseller und erzählt davon, dass Liebe nicht festgemacht werden kann in den Beziehungen zwischen Menschen, sondern Liebe eigentlich ein Gefühl ist von tiefer Verbundenheit aller mit allem. Wer ist mit wem verbunden, könnten wir fragen? Vielleicht kann die erste Verbundenheit die mit uns selbst sein? Sind wir nicht einen guten Teil unseres Lebens damit beschäftigt, gegen uns selbst zu leben; irgendwelchen Konstrukten unserer Vorstellungen, unseres Verstandes zu folgen? An das zu glauben, was wir denken? Du kennst vielleicht die Aufforderung: Glaub nicht alles, was du denkst. – Denken wir eigentlich eigenständig? Spiegeln unsere Gedanken nicht ununterbrochen das wider, was wir tagein, tagaus gewohnt sind, als richtig oder falsch zu beurteilen? Wir haben ein Raster in unseren Köpfen, das unseren Vorlieben und Abneigungen entspricht – und in dieses Raster wird das eingeordnet, was wir wahrnehmen, mit Sympathie und Abneigung; und Desinteresse, meist auch aus dem Kreis unserer Abneigungen.

Bewusstsein schläft im Mineral, träumt in der Pflanze, erwacht im Tier und erkennt sich selbst im Menschen.

(Rumi)

Die Religionen habe ja gleichsam so etwas wie ein Pachtrecht auf das Thema Liebe. Doch schauen wir hinter die Türen nicht nur der Geschichte, blicken wir in Abgründe von Gewalt, Verfolgung, Folter und Missbrauch aller menschlichen Werte. Die institutionellen Kirchen, Theologien und Religionen sind Gefangene ihrer Werte und Systeme und errichten Mauern zwischen sich und anderen – kann man da von Liebe reden?

Wir kennen in der Natur viele Arten der Liebe, sonst gäbe es nämlich nichts auf diesem Planeten, wahrscheinlich auch nichts im ganzen Universum. Die Tiere, ob Enten, Gänse, Katzen, Löwen und überhaupt das ganze Tier- und Menschenreich, sind durchtränkt mit Fürsorge für alles Neugeborene; auch Wale und Delfine nähren ihre Brut. Und wir Menschen sind in der Regel stark berührt davon, wie diese instinktive Mutterliebe alles Leben ermöglicht. Also könnten wir gleichsam feststellen, dass Liebe die tragende, schöpferische, alles offenbarende Kraft im Universum ist. Liebe ist auch so etwas wie Fürsorge, wie Empathie, wie achtsames Begleiten – ist nicht IN UNS, näher als Hände und Füße, der unvergängliche Funke des Lichtes, der uns begleitet, Leben für Leben, Jahr um Jahr, und uns liebt ohne jede Bedingung, damit wir endlich zu begreifen beginnen, worum es geht?

Jeder Konflikt zwischen Freunden, Familien und Königreichen beginnt als interner Konflikt. Sich von diesem Konflikt zu befreien, bedeutet, die Welt von allen Konflikten zu befreien.

(Wu Hsin)

Bewusstsein (bewusst–sein) ist die höchste Instanz des Universums und trägt als Krone aller Entwicklung den Namen, der jenseits aller Begriffe liegt. Wollten wir ihn andeuten, könnten wir ihn vielleicht Allah nennen oder Gott-Vater-Mutter, oder TAO, vielleicht auch in alter hermetischer Tradition das Allein-Gute oder Christus oder …. (die drei Punkte bezeichnen die Königsdisziplin: keine Ahnung). Die Freude, der schöne Götterfunke in der Mitte, also in unseren Herzen, birgt als Samen des Lichtes die Möglichkeit und die Kraft in sich, alles zu erkennen, alles zu können und zu kennen, die letzten Dinge miteingeschlossen.

Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild; dann aber von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich stückweise; dann aber werde ich erkennen, wie ich erkannt bin. Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen.

(Paulus, Das Hohelied der Liebe)

Der Quell der Liebe, der Quell des lebenden Wassers, will von uns erkannt werden. Wir müssen die Liebe nicht suchen, sie ist im übervollen Maße vorhanden; unsere Lebensaufgabe könnten wir darin finden, die Mauern, die Blockierungen aufzuspüren, die wir den unendlichen Strömen von Licht und Wohlwollen entgegensetzen. Der innere Beobachter, der das Feuer aus der Mitte spiegelt – eben unser Bewusstsein wird der wichtigste Gehilfe auf diesem Weg der Wandlung.

Liebe heilt. Liebe ist Kraft. Liebe ist die Magie der Veränderung. Liebe ist der Spiegel göttlicher Schönheit.

(Rumi)

Liebe gleicht dem Duft der Rose – er muss nicht gemacht, nicht verdient, nicht erkämpft werden. Er ist einfach da – als Ausstrahlung dessen, was die Rose in Wahrheit ist … kein Symbol mehr, sondern unendliches Jetzt. ■

Leser:

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  • Bielau Klaus

    Zum Autor: Dr. med. Klaus Bielau

    Medizinstudium mit Ausbildung zum praktischen Arzt; rein ganzheitlich-homöopathisch ausgerichtete Praxis in Graz. Lektor für Homöopathie an der Uni Graz und an den Paracelsus-Schulen und Buchautor.

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