Die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) ist schätzungsweise 2.500 bis 3.000 Jahre alt. Diese Lehre entwickelte sich bereits ab etwa 1000 v. Chr. im alten China und gilt bis heute als eine fundamentale Weltanschauung in China. Den Kernpunkt bilden die dynamischen Wechselwirkungen der fünf Elemente Holz, Feuer, Erde, Metall, Wasser untereinander.
Die fünf Elemente sind in der TCM sehr wichtig. Das ganze Universum und damit auch der Mensch und seine Krankheiten werden nach den fünf Elementen eingeteilt. Alle Dinge, die wir kennen und die es gibt, werden einem Element zugeordnet – siehe nachfolgende Tabelle. In anderen Kulturen sind es drei oder vier Elemente, sie haben andere Namen – es könnten auch sechs oder zehn Elemente sein; aber dies alles spielt keine Rolle. Die Theosophen betrachten die Welt mit einer Einteilung in ebenfalls fünf Elemente, doch sind es dort die Elemente Luft, Feuer, Wasser, Erde und Äther. Verglichen mit der TCM sind Luft, Feuer, Wasser und Erde gleich, doch der Äther nimmt anstelle des Metalls die Rolle eines Elementes ein. In der Rubrik „Heilkunde“ in dieser Ausgabe nimmt Dr. med. Klaus Bielau Bezug darauf. Wie viele Elemente man auch nimmt und wie sie auch heißen – wichtig ist nur, dass man Gesetzmäßigkeiten daraus ableitet und Regeln findet, mit denen man praktisch und möglichst einfach arbeiten kann. In der TCM gibt es den „Aufbauenden Zyklus“, den „Kontrollierenden Zyklus“, das Mutter-Sohn-Gesetz, die Yin-Yang-Beziehung, Organuhr, die Ehefrau-Ehemann-Regel, die Mittag-Mitternachts-Regel, Durchgangspunkte, Quellpunkte, die sechs äußeren Einflüsse, die sieben emotionalen Faktoren usw. Sie kennen die zwölf Meridiane mit ihren Akupunkturpunkten und es gibt noch eine große Anzahl von Extrapunkten usw. Das ganze System ist sehr kompliziert und vielschichtig und es ist unmöglich, auch nicht in einem längeren Artikel, das ganze System dem Leser verständlich zu machen. Dazu bedarf es einer längeren Ausbildung und eines Studiums der Materie. Wir müssen uns auf das Wesentlichste beschränken und vor allem auf die Nahrungsmittel konzentrieren.
Wichtig ist, dass alle fünf Elemente möglichst in Balance sind. Da wir auch alle Nahrungsmittel einem Element zuordnen können, sollte unser Speiseplan, zumindest auf eine gewisse Zeit gesehen, alle Elemente enthalten. Doch wie können wir feststellen, welches Nahrungsmittel zu welchem Element gehört? Die Chinesen beurteilen dies nach der Farbe und dem Geschmack des Lebensmittels. Die Farben und Geschmäcker (und noch einiges anderes) finden sich ebenso in der nachfolgenden Tabelle.
Der Mönch Ren Farong, der frühere Vorsitzende der Chinesischen Taoistischen Vereinigung, sagte: „Der Weise weiß um die Ewigkeit des Wandels. Der Wandel ist die Ordnung.“ Die Chinesen behaupten, dass es ohne die Jahreszeiten keinen Wechsel in der Natur gebe. Wu Xing sind die fünf Wandlungsphasen, die das zentrale Konzept der chinesischen Philosophie und TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) bilden. Der Kernpunkt lautet: Alles ist mit allem verbunden.
Beginnen wir mit der Zuordnung der Farben
Das Grün des Frühlings ist mit dem Element Holz und dem Beginn des Lebens verbunden, und dieses Element ist dem Osten und dem Südosten zugeordnet. Das Rot des Feuers gehört zum Sommer und der stürmischen Jugend, und die Farbe ist dem Süden zugeordnet. Passend dazu trägt in China die Frau ein rotes Brautkleid. Die Farbe der Mitte ist gelb, gelb wie die Erde, der Nährboden des Lebens. Die Erde wie die Farbe Gelb steht auch für die Mitte eines Landes, aber auch für den Südwesten und den Nordosten. Diese Farbe dominiert immer noch im heutigen Kaiserpalast und unterstreicht damit die Autorität des Kaisers, obwohl das jahrtausendealte Kaiserreich am 12. Februar 1912 mit der Abdankung des letzten Kaisers, Puyi, endete. Damals wurde die Republik China gegründet. Gelb gilt auch als die Farbe des langen Sommers. Erde und Familie sind laut chinesischer Tradition eins. Weiß ist die Farbe des Metalls und des Westens und des Nordwestens. Im Weiß spiegelt sich die Aufrichtigkeit, aber auch die Trauer – in China jedenfalls. Im Schwarz des Wassers spiegelt sich die Stille des Todes, aber mit ihm kommt auch der Neubeginn des Lebens. Das Element Wasser ist dem Norden zugeordnet.
Wer nur das Äußere sieht, sieht nichts. Wer nur die Farben sieht, aber ihre Bedeutung nicht versteht, hat nichts verstanden.
Mönch Ren Farong
Wir bewegen uns immer in einem Kreislauf
Beginnend mit dem Frühling wird es warm und die Stimmung der Menschen hebt sich. Der Frühling kommt in der Farbe der Hoffnung. Der grüne Salat ist hierzulande ein Geschenk des Frühlings. Wir befinden uns gerade am Ende der Phase, in der das Holz-Element vorherrscht. Die Phasen der Natur sind wie die Lebensphasen des Menschen. Nach dem aufstrebenden Holz der Kindheit folgt das Feuer der Jugend. Ohne Wasser kann Holz nicht wachsen, ohne Holz kann Feuer nicht brennen. So wie die Natur im Sommer kraftvoll wächst, liegt unsere größte Kraft auch in der Jugend. Später kommen die Lebensmitte, das Alter und der Tod. Jede dieser Zeiten lehrt uns neue Dinge. Ein Element unterstützt das nächste, wenn man die Energien richtig nutzt. Wer die Zeit der Regeneration im Winter gut genützt hat, bei dem ist der Effekt der Erstarkung durch das Holz-Element besonders ausgeprägt. Beginnend mit der Pulsar-Ausgabe 313 (Nr. 3 April 2025) haben wir im Vorjahr die fünf Elemente ausführlich besprochen. In China üben die fünf Elemente noch immer einen unterschwelligen Einfluss aus, zum Beispiel durch den Kaiserpalast mit der wohlgewählten Farbkombination. Der Gelbe Fluss (Huang He) gilt als „Wiege der chinesischen Zivilisation“ und „Mutterfluss“. Seinen Namen trägt der Fluss aufgrund der „gelblichen“ (eigentlich eher braun) Färbung, die durch abgetragenes Lössmaterial entsteht, das in den Flusslauf gespült wird. Es ist der zweitlängste Fluss Chinas ist über den Kaiserkanal mit dem Jangtsekiang verbunden.
Der Mönch Ren Farong meint, dass die Lehre der fünf Phasen in jedem tief verwurzelt ist. „Man muss sich in ihr und sie sich in uns finden. Wer nur das Äußere sieht, sieht nichts. Wer nur die Farben sieht, aber ihre Bedeutung nicht versteht, hat nichts verstanden“, meint Ren Farong sowie: „Wenn ein Element das andere übermächtigt oder der Mensch das Gleichgewicht der Elemente durchbricht, werden manche Wesen nicht mehr bei uns leben und ihre Nachkommen nicht mehr in diese Welt bringen wollen. Und: Wenn die Erde in Ungleichgewicht gerät, ist daran die Liebe zum Wissen schuld. Dann wird der Lauf der Jahreszeiten gestört.“
Die inneren Organe haben fünf unterschiedliche Funktionen und stehen in direkter Beziehung zu den fünf Elementen.
Feuer
Herz, Herzbeutel und Dünndarm – in Verbindung mit der Dreifach-Erwärmung und damit dem Herz-Kreislauf-System und dem Immunsystem
Das Gleichgewicht zwischen Lunge, Herz, Magen, Leber und Niere entspricht der Balance der Energie der inneren Organe. Hitze im Herzen kann sich auf die Lunge auswirken und Asthma bewirken. Jedes Organ hat seinen Energiefluss. In der TCM will man grundsätzlich der Natur ihren Lauf lassen. Laut den Chinesen schufen Himmel und Erde die Einteilung in das Yin und Yang. Das Yin und Yang wiederum ist für die Entstehung der Jahreszeiten zuständig.
Ernährung nach den fünf Elementen
Fünf-Elemente-Geschmacksrichtungen
In der Traditionell Chinesischen Medizin wird jedem der fünf Elemente eine bestimmte Geschmacksrichtung zugeordnet. Der jeweilige Geschmack wirkt auf die dazugehörigen Organ-Energien besonders stark. Dadurch können wir alle Geschmäcker sogar therapeutisch einsetzen. Für den Hausgebrauch können wir die einzelnen Geschmacksrichtungen für unseren Bedarf optimal in unsere Mahlzeiten integrieren. Wir sollten jedoch darauf achten, möglichst bunt und saisonal zu essen, dann sind wir bereits auf einem sehr guten Weg, um unseren Körper in Balance zu halten.
Wenn wir sehr ausgewogen essen wollen, dann können wir jeden Tag unser Mahl nach den fünf Elementen zubereiten.
All die Ausführungen sollen nur eine Anregung bilden. Wenn wir sehr ausgewogen essen wollen, dann können wir jeden Tag unser Mahl nach den fünf Elementen zubereiten. Egal was wir kochen, wir können immer auch die anderen Elemente dazu auf den Tisch bringen. Zum Beispiel das österreichische Nationalgericht Wiener Schnitzel mit Reis und Salat: Schnitzel (wärmend), Reis (neutral, weiß – Metall), Salat (kühlend, grün – Holz). Um die fehlenden Elemente zu ergänzen, können wir den Teller beispielsweise mit Tomatenscheiben (Feuer) garnieren, ein bitteres Getränk dazu servieren (Feuer), mit Gartenkräutern bestreuen (Holz), ein saures Getränk oder mit Zitrone beträufeln (Holz), eine süße Nachspeise oder Obst (Erde), eine scharfe Soße (Metall) und vielleicht immer eine Bohnenart als Beilage (Wasser) – Sojabohnen (gibt es fast in allen Farben), Mungbohnen, Azukibohnen, heimische Bohnen, Linsen etc.. So können wir uns jeden Tag nach den fünf Elementen ernähren. Und braucht ein Familienmitglied eine Stärkung in einem Element, z. B. im Feuerelement (niederer Blutdruck), dann wird diese Person ein paar bittere Kräuter über die Speise streuen oder einen bitteren Kräutertee dazu trinken oder auch einen Kaffee oder ein Glas Bier.
Zur Ernährung gibt die TCM grundlegende Richtlinien vor: Im Frühling und im Sommer sollen wir mehr erfrischende Nahrungsmittel essen, im Herbst und Winter jedoch eher warme Speisen zu uns nehmen. Darüber hinaus sollte jeder Mensch je nach Wohlbefinden und Konstitution seinen Speiseplan gestalten: Jemand, der viel friert, also oft kalte Hände und Füße hat und vielleicht noch an einer eher schleppenden Verdauung leidet, sollte verstärkt thermisch warme, lang gekochte Gerichte zu sich nehmen. Die TCM begründet dies damit: Der betreffende Organismus hat offensichtlich nicht genug Energie, um den Körper ausreichend warm zu halten und die grundsätzlichen Körperfunktionen „am Laufen“ zu halten. Frischer Salat, Obst oder auch Milchprodukte verstärken die Kälte, was zu Ablagerungen und Schleimbildung im Körper führen kann. Ein kälteempfindlicher Mensch besitzt laut TCM nicht genügend Energie, um diese kalten Nahrungsmittel auf Körpertemperatur zu bringen und optimal zu verarbeiten. Hingegen sollten Menschen, die eher mit Hitzewallungen und nächtlichen Schweißausbrüchen zu kämpfen haben oder zu trockener Haut und Schleimhäuten neigen, sollten sich eher von erfrischenden und befeuchtenden Lebensmitteln ernähren. Der eigene Körpertypus gibt die Nahrungspräferenzen vor, denen wir folgen sollen, um unseren Körper mühelos im Gleichgewicht halten zu können. Die Fünf-Elemente-Lehre kann man für alle Lebensbereiche anwenden. Am einfachsten ist es jedoch, wenn man sich mit den jeweiligen Lebensmitteln beschäftigt, also wenn man die den Elementen zugeordneten Lebensmittel in der jeweiligen Jahreszeit verstärkt zu sich nimmt. Gleichzeitig sollen alle fünf Elemente einen Platz am Esstisch bekommen. In der TCM geht es immer um die Balance, eben darum, dass wir unsere Mitte finden und darin möglichst lange verbleiben. Das Ziel ist ein glückliches Leben mit lang anhaltender Gesundheit. ■
