Der Gegentrend zum alltäglichen Überfluss Fasten für Körper, Seele und Geist


Barbara Simonsohn

„Wer stark, gesund und jung bleiben will, sei mäßig, übe den Körper, atme reine Luft und heile sein Weh eher durch Fasten als durch Medikamente.“

Hippokrates

„Die Fastenzeiten sind Teil meines Wesens. Ich kann auf sie ebenso verzichten wie auf meine Augen. Was die Augen für die äußere Welt, ist das Fasten für die innere.“

Mahatma Gandhi

„Der Hunger nach Sinnhaftigkeit lässt sich nicht durchs Essen stillen.“

Dr. med. Ruediger Dahlke

Frau mixed sich einen grünen Smoothy

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Fasten ist so alt wie die Menschheit. Die Geschichte der Religionen ist voller Beispiele, welche die Bedeutung des Fastens für die geistige und körperliche Entwicklung preisen. Im alten Ägypten und bei den Mayas fastete man vor Einweihungszeremonien. Im alten Griechenland und in Persien bereitete man sich auf religiöse Feste durch Fasten vor. Bei den Sufis, dem spirituellen Orden des Islam, wird traditionell 40 Tage lang gefastet. Die großen Religionsstifter Moses, Jesus, Mohammed und Buddha hatten intensive Fastenerfahrungen. Sie errangen wichtige Erkenntnisse in diesen Perioden der Zurückgezogenheit. Von Mohammed sind diese Worte überliefert: „Beten führt auf halbem Weg zu Gott, Fasten bringt uns an die Tür des Himmels.“ An anderer Stelle sagt er: „Fastet, damit ihr lernt, euch gegen das Böse zu schützen.“ Buddha sagte über das Fasten: „Wenn all mein Fleisch dahinschwindet, wird die Seele immer heller, des Geistes Wachsein immer fester.“ Zu Buddhas Zeiten gehörte das Fasten, wie auch in christlichen Klöstern, zum Ordensleben.

Fasten in der Geschichte

Auch große Ärzte der Vergangenheit propagierten die zeitweise und freiwillige Nahrungsenthaltung. Galen, Arzt der Antike: „Die Seele wird durch zu viel Fett erstickt und ist dann nicht fähig, göttliche und himmlische Dinge zu empfangen.“ Avicenna, der berühmte Arzt des Mittelalters, behandelte zahlreiche Krankheiten mit Fasten, wie auch Paracelsus. Hippokrates, ein weiterer Arzt der Antike, hinterließ uns: „Fasten wirkt auf die Natur des Menschen mit großer Kraft und kann als Mittel angesehen werden, das zur Heilung führt.“ Die Bibel –altes und neues Testament – ist voll mit Zitaten über den Wert des Fastens. Esra, ein Israelit, schrieb: „Also fasteten wir und erflehten uns die Hilfe Gottes in dieser Sache, und er ließ sich erbitten.“ (Esra 8,23) Im Alten Testament hören wir Gottes Engel sagen: „Tut Gutes, so wird euch nichts Böses treffen! Gut aber ist Gebet mit Fasten, Almosen geben und Rechtschaffenheit.“ (Tobias 12,7) In Matthäus (6,16) sagt Jesus direkt nach der Bergpredigt: „Zeige dich mit dem Fasten nur deinem Vater, der im Verborgenen ist. Und der Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir vergelten.“ In den Schriftrollen der Essener aus Qumran, Totes Meer, im Vatikan, entdeckt von Szekely, geht es um Fasten als Möglichkeit, zur Einheit und damit zu Gott zurückzukehren. Die Essener wussten zu Zeiten Jesu: „Der Körper ist der Tempel des Geistes, und der Geist ist der Tempel Gottes. Darum reinigt den Tempel, damit der Herr des Tempels darin wohnen kann und einen Platz einnehmen kann, der seiner Wert ist. Erneuert euch und fastet. Wenn ihr nicht fastet, werdet ihr euch nie aus der Macht des Satans befreien können und von allen Krankheiten, die Satan verursacht. Fastet und betet inbrünstig und sucht die Macht des lebendigen Gottes für eure Heilung.“ Offenbar sind zu Zeiten Christi viele Menschen diesen Anweisungen gefolgt und daraus erklärt sich wohl auch die heute fast unvorstellbare Kraft, welche die frühen Christen erfüllte, sie zahlreiche Wunderheilungen vollbringen und sie in schweren Zeiten der Verfolgung aufrecht wandeln ließ. Darüber gebe die Apostelgeschichten wunderbar Auskunft. Bei Lukas wird eine regelmäßig fastende Frau beschrieben: „Sie (Judith) war von schöner Gestalt und blühendem Aussehen.“

Bis in die Neuzeit gab es notgedrungen längere Fasten- und Hungerperioden. Wir sind also von der Evolution her genetisch an längere Zeiten der Nahrungsenthaltung angepasst. Der menschliche Organismus hatte im Laufe der menschlichen Entwicklung Jahrmillionen Zeit, sich an Mangelzeiten zu gewöhnen und das Beste daraus zu machen. Das kann der Körper, und so ist Fasten für ihn eine vergleichsweise geringe Anstrengung, der er spielend gerecht wird, indem er auf alte erfolgreiche Muster zurückgreift. Auf ständigen Überfluss hingegen ist er nicht angepasst. Er hat damit kaum Erfahrungen sammeln können und reagiert entsprechend mit Inkompetenz und Überforderung, wie die moderne Fettsucht und Diabetes-II-Lawine zeigen. Einem Überangebot an materiellen Dingen steht in den Industrieländern eine Leere an geistigen Inhalten gegenüber. Der Hunger nach geistigen Inhalten wird in Ermangelung an geistiger Nahrung oftmals mit materiellen Dingen gestillt – zum Großteil auch mit Essen.

Reinigung des Körper-Tempels

Fasten fördert Bewusstwerden und ist aufgrund seines psycho-physischen Reinigungseffektes als Begleitmaßnahme zu Meditationskursen und Methoden der Bewusstseinsentwicklung ideal. Wer heil werden will, auch auf seelischer Ebene, kommt durch Fasten als Reinigung des Körper-Tempels wieder zurück in die Einheit oder zu Gott. Fasten ist immer ein Heil- und Ganzwerdungsweg für Körper, Seele und Geist. Fasten bezieht immer auch das innere Wesen mit ein. Christus: „Das Himmelreich Gottes ist in euch.“ Die durch Fasten bewirkte Umstimmung bleibt nicht auf den Körper beschränkt, sondern führt auch zu einer seelischen Umorientierung. Bei den Essenern heißt es: „Und glücklich werdet ihr sein, denn ihr werdet die Belohnung für eure Standfestigkeit erhalten, und ihr werdet keine Krankheiten mehr sehen.“ Fasten ist auch immer eine Reise nach innen. Außerdem finden und stärken wir unseren „inneren Arzt“ - Fasten ist der ideale Weg dazu. Dr. Buchinger bezeichnet die transformative Kraft des Fastens auch als „Operation ohne Messer.“

Als eindeutige einleuchtende Gegenindikation des Fastens werden Schwangerschaft und Stillzeit betrachtet. Wer an einer schweren Krankheit leidet, sollte vorher seinen Arzt oder, noch besser, Fastenarzt zu Rate ziehen. Die einzigen wirklichen Gefahrenpunkte liegen im Zu-wenig-Trinken und einem falschen Kurabbruch oder Abfasten (Übergang vom Heilfasten zur normalen Ernährung). Eine Erleichterung ist das Fasten in einer Gruppe, gerade, wenn es sich um das erste Mal handelt. Das regelmäßige Treffen und Austauschen von Erfahrungen unter Gleichgesinnten kann viel zum Erfolg beitragen und über kleinere Fastenkrisen hinweghelfen. Darüber hinaus führt Gruppenfasten zu einem vertieften Verständnis innerhalb der Gruppe. Alle sitzen in einem Boot. Gut ist es, unter der Leitung eines erfahrenen Fastenleiters zu fasten. Ideal sind Azidose-Massagen nach Dr. Renate Collier, weil sie Fastenkrisen abmildern und der Kreislauf durch diese aktive und passive Bewegungstherapie gestärkt wird. Ideal ist Fasten in schöner Umgebung weg vom Alltag. Fastenwandern ist problematisch, weil bei ganztägigen Wanderungen oft zu wenig getrunken wird. Es müssen mehr als zwei Liter täglich getrunken werden, und bei wechselnden Quartieren bleibt oft die notwendige tägliche Darmreinigung auf der Strecke.

Frau liegt in frischem Obst

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Zeit der Stille

Oft wird Fasten mit Stille-Zeit und Meditation verbunden. Orte der Stille sind für diese Zeit der Regeneration besonders geeignet. Die Fastenzeit ist die ideale Zeit der Stille, der inneren Einkehr, des Gebets und der Meditation. Natürlich auch für Reiki-Behandlungen, den Tanz der Symbole und für Einstimmungen. Die Meditationserfahrungen werden tiefer und intensiver. Nicht-Essen begünstigt eine Lösung der Seele vom Körper: Die Seele bekommt Flügel. Das Fasten schafft aus sich heraus einen Bereich der Stille, und diese Stille liegt im Inneren und ist mindestens so wertvoll wie die äußere. Ich meditiere täglich mit den Teilnehmern meiner Fastenkurse auf freiwilliger Basis: Fantasiereisen, Zen oder das Herzensgebet im Stillen. Spaziergänge und überhaupt Bewegung sind in der Fastenzeit besonders gesund. Viele Fastende empfinden den Kontakt zur Natur als besonders intensiv, sind sie jetzt doch noch offener für ihre Geheimnisse und Schönheit. Muskeln, die auch während der Fastenzeit trainiert werden, nehmen nicht ab. Die Fastenzeit bringt uns oft wunderbare Möglichkeiten, die großen Krisen des Lebens besser, das heißt bewusster zu bewältigen. Fasten fördert und fordert wie wenige Maßnahmen die Innenschau und ist so geeignet, den Sinn und die Bedeutung der jeweiligen Krise offenzulegen. Oft setzen wir nach der Fastenzeit Prioritäten neu und entwickeln mehr Klarheit und Kraft, Visionen und unsere Bestimmung zu leben. Bei den Essenern heißt es zum Fasten: „Euer himmlischer Vater liebt euch ohne Ende, denn er erlaubt euch, in 7 Tagen eure Schulden von 7 Jahren zurückzuzahlen. Jenen, die für 7 Jahre Sünden und Krankheit schulden, aber ehrlich bezahlen und bis zum 7. Tag durchhalten, wird unser Himmelsvater die Schulden von allen 7 Jahren vergeben.“ Sind das nicht schöne Aussichten? Die charakteristischen Fastenerfahrungen, also etwa das typische Leichterwerden nach erfolgter Umstellung, beginnt spätestens nach dem 3. Tag. Nach einer eventuellen ersten Fastenkrise zwischen dem 5. und 6. Tag geht es meist noch einmal spürbar in ein tieferes Stadium, in tiefere Bereiche der eigenen Seele, was sich in den Meditationen angenehm bemerkbar machen kann.

Fasten und Langsamkeit

Das Erscheinungsbild des Fastenden ist eher nach innen als nach außen gekehrt, eher passiv als aktiv. Er neigt deutlich zum Nachgeben und schätzt Harmonie mehr als sonst, die er auch ausstrahlt. Sein Hauptinteresse zieht sich zurück von der Welt auf sich selbst. Schönheit und Harmonie werde ihm wichtiger als Ehrgeiz und Rechthaberei. Der Fastende wird zärtlicher, weicher, friedfertiger und auch sensibler. Oft fühlt er sich wie ein rohes Ei. Fasten führt zu einer Harmonisierung des gesamten körperlich-seelischen Gefüges. Durch Fasten begegnet man dem Saturn-Prinzip von Langsamkeit, Einsamkeit, Transformation, Loslassen von Überflüssigem, Geduld, Besinnung auf das Wesentliche, Grenzüberschreitung, Zentrierung, zur Mitte kommen. Es ist viel angenehmer, sich mit diesem Prinzip freiwillig beim Fasten in Kontakt zu bringen. Sonst holt „Kronos“ oder „Saturn“ sich ohnehin ihr Recht, weil Veränderung und Transformation Lebensprinzipien sind. Dr. med. Ruediger Dahlke: „Gibt es doch außer Fasten nur wenige Rituale, die uns so stimmig auf Saturn, den Hüter der Schwelle, vorbereiten.“ Ein Fasten-Tagebuch ist nützlich, um all die Erkenntnisse während der wertvollen Fastenzeit festzuhalten, die ganz von selbst kommen. Fasten ist eine Möglichkeit, tief zu unseren Wurzeln hinunterzusteigen, dort in Kontakt zu unseren wirklichen Bedürfnissen zu kommen, und auch dort die Weichen umzustellen. Das Fasten kann uns auch die Freude am Essen wiedergeben und bewahren. Jesus sagte den Essenern zum Abschied: Und dann werdet ihr auch unter euch Frieden finden, denn das Reich Gottes ist in euch. Glücklich sind die, die nach Frieden streben, sie werden den Frieden Gottes finden. Gebt jedem euren Frieden, genauso wie ich euch meinen Frieden gab. Denn mein Friede ist von Gott. Friede sei mit euch.“ ■

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Ausgabe 321 - Feber 2026

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