Altlasten und Gerümpel ab in die Müllverbrennung Sei, der du bist


Dr. med. Klaus Bielau

Im Allgemeinen leben wir – das heißt, die westlichen Menschen, aber nicht nur diese, vermutlich die Menschheit als Masse – ein ziemlich verkehrtes Leben, da wir den Grund, die Essenz unseres Daseins, vergessen haben. Und so kreisen wir von Irrtum zu Irrtum wie in einem Labyrinth, wo uns der rote Faden abhandengekommen ist.

Homöopathie

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1. Gegenwart

Heute traf ich am Markt einen alten Freund, der nach einer Verletzung, einem Sturz, ein Bein nicht mehr so bewegen kann, wie es vor dem Unfall der Fall war. Auf die Frage, wie es ihm gehe, schmunzelte er mich an, „danke der Nachfrage; gut – was sonst. Mein Bein kann ich zwar nur schlecht bewegen, es schmerzt dann und wann – aber mir geht es wirklich gut.“ Wir lachten uns an und voller Verständnis, voller Respekt vor dieser klugen, ja philosophischen Haltung, hörte ich ihm zu. Er konnte sich nicht so bewegen wie wir vor zehn oder zwanzig Jahren, aber er hatte Frieden mit seinen Beinen gefunden. Auf meine Frage, was die Ursachen dieses damaligen Missgeschicks waren, kam schnell die Antwort, „ich habe halt nicht aufgepasst“, und nach einer Pause, den Blick kurz gegen den Himmel gerichtet, „ich war mit meinen Gedanken woanders“. Und das ist im Wesentlichen die Ursache aller unserer Kompliziertheiten: Wir vergessen aus irgendeinem Grund auf unsere Aufmerksamkeit, sind unachtsam uns selbst, sind unachtsam dem Augenblick gegenüber; ja, vergessen auf die Gegenwart, in der einzig sich unser Leben abspielt. Ständig kreisen, kreischen, schnattern unsere Gedanken in unseren Gehirnen; Gedanken, die genährt sind von der gewohnten Matrix, die wir ja eigentlich alle sind. Vor einiger Zeit war ich auf einer Heilkunde-Konferenz in Dubrovnik an der wunderbaren Dalmatinischen Küste. Auf dem Weg in die nahe Bucht war eine breite Stufe (und sie ist es vermutlich jetzt noch immer), da steht auf Kroatisch und Englisch folgender, lapidarer Satz: „Watch Your Step“. Es steht dort nicht „Achtung Stufe“, wie wir es das eine oder andere Mal gewohnt zu lesen sind, nein, hier steht „Pass auf, wo du hintrittst.“

2. Gewohnheit

Jeder macht in seinem Leben zumindest immer wieder einmal diese Erfahrungen, ob das ein verlegter Schlüssel ist (sehr häufig, anhaltende Erlebnisse des Verfassers!), ein nicht zu findendes Dies oder Das ist, oder ob es heftigere Ereignisse, Schicksalsschläge und Ähnliches sind, es ist nahezu immer Folge unserer Unachtsamkeit. Und nun fragen wir uns, wie kommt es zu dieser Fahrigkeit, die, wie gerade gesagt, jeder kennt? Die Ursachen liegen in unseren Gewohnheiten, unseren Mustern und noch lange wirkenden gesellschaftlichen, familiären Konditionierungen. Man könnte es als die alte Matrix bezeichnen; dazu gehören all unsere täglichen Lebensabläufe Essen, Handy- und „Mediensüchteln“, vor allem aber unser Verhalten anderen gegenüber. Dies alles beschäftigt uns durch Tag und Nacht, da schlafen wir schlecht oder träumen miese Dinge und kommen bald mal in eine seelische Dunkelkammer, in der sich die Filme unseres Lebens oft als Verhärtung bzw. als Kristallisation entwickeln.

3. Hausaufgaben

Durch in erster Linie unsere Gedanken, aber auch durch unser meist chaotisches Gefühlsleben, welche die Folge unserer unerledigt gebliebenen Hausaufgaben sind, die das Leben uns stellt, entwickeln sich Spannungen in Seele und Körper, die die üblichen Stoffwechsel-, also Atmungs- und Verbrennungsvorgänge verzögern. Was bleibt, sind Schlacken, Ablagerungen, die irgendwie entsorgt werden müssen, wenn wir von einem sinnvollen und erfüllten Leben sprechen wollen. Dazu hat die Natur einen Weg gefunden, den wir als Entzündung kennen. Es wird also ein Feuer in uns entzündet. Dieses Feuer sind einerseits die üblichen Lebensvorgänge, wir haben ja eine Körpertemperatur von ungefähr 37 Grad Celsius, die andernfalls, wenn nötig, erhöht wird, um Schlacken zu verbrennen. Dazu sagen wir dann Fieber, das immer ein Symptom der Heilung ist und in der Regel nicht unterdrückt werden sollte. Vorgänge, die im Prinzip ziemlich einfach und leicht zu verstehen sind.

4. Krankheit oder Reinigung

Natürlich ist einigermaßen Mut notwendig, diese Tatsachen zu verstehen und vor allem auch im eigenen Leben zuzulassen. Mit allen Dingen ist es so: Wir müssen lernen, den Tatsachen ins Auge zu sehen und uns nicht zu verstecken hinter dem Schleier von Illusion und Täuschung. Da unsere körperlichen Symptome erstmal Reinigungsversuche sind, wodurch etwas von innen nach außen kommt, werden wir schnell begreifen, dass es keine Ansteckung mit Viren und Bakterien gibt. Jetzt, wo ich diesen Artikel schreibe (vor Weihnachten), leiden etliche in meiner Umgebung an Magen-Darm-Problemen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen und Schmerzen. Da hat nun nicht der eine den anderen angesteckt, sondern diese klassischen Reinigungsvorgänge sind einfach notwendig – als Müllverbrennung. Mit Verständnis, Ruhe, Fasten, eventuell Kräutertees, eventuell Homöopathie u. Ä. können Körper und Seele bald genesen. Die kleinen Lebewesen, die Mikroben in und um uns helfen mit, einerseits bei allen normalen Lebensvorgängen und dann auch, falls nötig, bei der Reinigung. Der Volksmund sagt dazu dann meist Krankheiten. In erster Linie gilt es, diese Dinge einigermaßen zu verstehen.

Zusammenfassend soll wieder einmal Paracelsus zu Wort kommen, der davon spricht, dass der Patient sein Arzt und der Arzt dessen Helfer sein sollte. Und es schadet sicher nicht, sich um das Woher und Wohin der menschlichen Seele zu kümmern, die Wege des Menschen gleichsam zu erforschen. Und dazu ist jeder Mensch, der bewusst, das heißt, gesund sein will, aufgefordert. Der Einfachheit halber gilt das für jeden von uns. ■

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Ausgabe 321 - Feber 2026

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  • Bielau Klaus

    Zum Autor: Dr. med. Klaus Bielau


    Medizinstudium mit Ausbildung zum praktischen Arzt; rein ganzheitlich-homöopathisch ausgerichtete Praxis in Graz. Lektor für Homöopathie an der Uni Graz und an den Paracelsus-Schulen und Buchautor.


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