Wege zu tiefer Verbundenheit in Beziehungen Die fünf Sprachen der Liebe


Philipp Feichtinger

Wie oft verfliegen nach jahrelanger Beziehung die anfängliche Vertrautheit, Verbundenheit und tiefe Zuneigung und weichen dem Alltagstrott? Das Konzept der fünf Sprachen der Liebe gibt hierzu ganz konkrete Antworten und möchte anregen, zwischen den Zeilen der Kommunikation zu lesen und Ausdrucksformen der Liebe differenzierter zu betrachten. Im folgenden Artikel setzen wir uns mit diesen speziellen „fünf Sprachen“ auseinander, hinterfragen die eigene und betrachten Anwendungsmöglichkeiten für andere Kontexte.

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Entstehung

Das Modell an sich stammt vom US-amerikanischen Pastor und Paarberater Gary Chapman (*1938), der aus seinen Erfahrungen mit verheirateten Paaren heraus diese fünf Sprachen als Ausdrucksformen der eigenen Liebe definierte. Chapman veröffentlichte 1992 erstmals das Buch „Die fünf Sprachen der Liebe – Wie Kommunikation in der Ehe gelingt“ und schuf damit einen zeitlosen Bestseller, der verschiedene Beziehungsdynamiken unter dem Gesichtspunkt der Liebessprachen beleuchtet. Unter „Liebessprache“ versteht er Handlungen, Verhalten sowie Aussagen des Partners, wodurch wir uns geliebt fühlen. Dabei geht es darum, wie wir Liebe empfangen und ausdrücken. Chapman verwendet hier Begriffe wie die eigene „Muttersprache“ (der Liebe) oder „Fremdsprachen“, wenn man eben die Intentionen und das Verhalten des Partners/der Partnerin nicht versteht und deshalb vielleicht sogar Probleme oder Hindernisse entstehen. Es geht jedoch nicht darum, die Liebessprache des Gegenübers anzunehmen, sondern ein Bewusstsein für die unterschiedlichen Arten zu entwickeln und deren Charakteristiken zu berücksichtigen, hin zu einer tiefen Verbundenheit.

Die fünf Sprachen der Liebe

Bevor wir uns genauer mit den verschiedenen Liebessprachen nach Gary Chapman beschäftigen, sei gesagt, dass, wie bei allen Archetypen-Modellen – also wo mehrere Grundmuster vorgestellt werden –, stets die Gesamtheit gesehen werden muss. Wir alle tragen jede der fünf Sprachen in uns, manche sind deutlicher ausgeprägt, andere weniger. Dennoch können eine oder sogar zwei ganz besonders herausragen. Genauso verhält es sich bei unserem Partner/unserer Partnerin. Dies gilt es bei der folgenden Betrachtung zu berücksichtigen:Unter „Liebessprache“ versteht Gary Chapman Handlungen, Verhalten sowie Aussagen des Partners, wodurch wir uns geliebt fühlen.

1. Lob und Anerkennung

Wie rasch geschieht es, wenn man gemeinsam im selben Haushalt lebt, dass sich klar festgelegte Aufgabenzuteilungen einschleichen und vieles als Selbstverständlich angesehen wird. Vor allem Frauen können davon ein Lied singen, wie wenig ihr Aufwand für Haushalt, Familie, Kinder und Partnerschaft im Laufe der Zeit gesehen wird. Dass hier Lob und Anerkennung wesentliche Schlüssel sein können, erscheint einleuchtend. Dennoch herrscht zu oft die Ansicht: „Er/Sie weiß ohnehin, wie viel er/sie mir bedeutet, wie toll er/sie heute wieder aussieht, wie froh ich bin, dass er/sie dies für mich/uns macht.“ Doch zwischen dem Sich-Denken bzw. davon auszugehen, dass das Gegenüber es weiß, und diese Dinge auszusprechen, liegt nun einmal viel Interpretationsspielraum. Wie viel Frust, Wut und Verzweiflung fußen darauf, sich für den anderen abzurackern und kaum Dank, Anerkennung oder Wertschätzung zu erhalten. Gerade der letzte Begriff hängt mit Respekt und dem tiefen Verstehen der Situation des Partners/der Partnerin zusammen.

Diese Liebessprache erfordert eine hohe Empathie und damit das Hineinversetzen in das Denken, das Erleben oder die emotionale Lage des Gegenübers. Es geht nicht um ein halbherziges Dankeschön oder banale Komplimente über das Aussehen, sondern dem Partner/der Partnerin gegenüber auszusprechen, wie viel er/sie bedeutet.

Wie sehr freut es uns, wenn uns der geliebte Mensch zuhört, wenn wir von der Arbeit berichten und er/sie uns dann zu einem erfolgreichen Projektabschluss gratuliert. Dann fühlen wir uns gesehen. Doch auch ermutigende Worte in Momenten, wo man zweifelt, unsicher ist, mit sich hadert oder Entscheidungen in Frage stellt, sind ebenso Teil dieser Liebessprache wie das Hervorheben von Fähigkeiten, Eigenschaften, Merkmalen oder erledigter Aufgaben. Dies drückt Wertschätzung und Dankbarkeit hinsichtlich getaner Arbeit aus und unterstreicht, warum dieser Mensch für uns so einzigartig ist. Anerkennende Worte können manchmal der Turbo oder der Funke sein, um Unsicherheiten zu überwinden und über sich hinauszuwachsen.

Erkennen Sie, dass Ihr Partner/Ihre Partnerin diese Liebessprache aufweist, so können folgende Impulse hilfreich sein:

Überlegen Sie, was würde Ihr Partner/Ihre Partnerin an Lob/Komplimenten gerne aus ganzem Herzen von Ihnen hören. Bauen Sie dies regelmäßig in den Alltag ein.

Werden Sie sich bewusst, welche Stärken, Talente und besonderen Eigenschaften Ihren Partner/Ihre Partnerin auszeichnen und heben Sie diese anhand ganz konkreter Situationen im Alltag hervor. Dies sollte nicht gekünstelt, sondern wertschätzend und anerkennend kommuniziert werden.

Drücken Sie für die vielen selbstverständlichen Erledigungen des Alltags Ihren Dank aus und erläutern Sie, warum Sie dies besonders wertschätzen.

Finden Sie heraus, wie Sie Ihrem Partner/Ihrer Partnerin immer wieder in Worten Ihre Liebe ausdrücken können. Greifen Sie auch auf alternative und anerkennende Formulierungen zurück.

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2. Zweisamkeit – die Zeit nur für dich

In einer Beziehung scheint die Zeit zu zweit das Selbstverständlichste der Welt zu sein. Dennoch ist sie in Zeiten von Smartphone und Co. ein rares Gut geworden. Gary Chapman bezieht sich hier nämlich nicht auf das bloße Beisammensein, sondern die ungeteilte Aufmerksamkeit, die man dem Partner/der Partnerin schenkt. Das bedeutet, nur weil man im selben Bett schläft, sich im gleichen Raum aufhält oder unter einem Dach wohnt, besteht deshalb noch lange keine echte Zweisamkeit. Dafür braucht es den Mut und die Bereitschaft, hinzusehen, sich verletzlich zu zeigen und sich wahrhaftig mit dem Partner/der Partnerin auseinanderzusetzen. Genau davor scheuen sich viele Menschen, weil sie verlernt haben, zuzuhören, einfach nur da zu sein, sich nicht von äußeren Gegebenheiten abzulenken und die eigenen Gefühle zu benennen. Zu den Grundsätzen dieser Liebessprache gehört nämlich auch, sich gemeinsam Problemen zu stellen, in tiefgreifende Gespräche zu kommen und miteinander eine Lösung zu finden. Nebeneinanderher zu leben, bietet dafür gar nicht den Raum.

Dazu braucht es ein vertrauensvolles Miteinander, was tagtäglich gelebt werden darf. Fernab von Liebe geht es darum, dem Gegenüber bewusst Zeit zu schenken, in der sich beide zeigen können. Die dabei aufkommende Verbundenheit darf auch in Gespräche übergehen. Aspekte wie Augenkontakt, ein bewusstes Wahrnehmen von Gestik und Mimik, das Gegenüber ausreden zu lassen, den Fokus zu halten und Gefühle auszusprechen, dürfen in diesem Zusammenhang wieder einen höheren Stellenwert erlangen und gegebenenfalls gelernt werden. Ein weiterer Aspekt dieser Liebessprache sind gemeinsame Unternehmungen, die auf lange Sicht positive Erinnerungen schaffen und zusammenschweißen sollen. Auch hier ist es wichtig, dem Gegenüber möglichst die uneingeschränkte Aufmerksamkeit zuteilwerden zu lassen und nicht jemanden dazu einzuladen, weil es dieser Person gerade nicht gutgeht. Menschen mit dieser Liebessprache verletzt kein Verhalten mehr als dieses.

Was könnten nun Ansatzpunkte sein, wenn Ihr Partner/Ihre Partnerin „Zweisamkeit“ als Liebessprache hat?

Überlegen Sie für sich, was Sie an Zweisamkeit in der Beziehung hindert.

Machen Sie regelmäßig gemeinsame Spaziergänge mit Routen und Plätzen, die ihm/ihr wichtig sind. Fragen Sie, was diese so besonders machen und welche Erinnerungen damit verbunden sind. Nehmen Sie sich Zeit füreinander.

Wagen Sie täglich nach Feierabend oder vor dem Einschlafen gemeinsam einen Rückblick auf den Tag. Erzählen Sie sich gegenseitig von Ereignissen und gemachten Erfahrungen.

Planen Sie bewusste Auszeiten ein. Dies kann ein Wellnesswochenende oder ähnliches sein. Wichtig ist, dass hier keine Arbeit oder Familienangelegenheiten dazwischenkommen. Schalten Sie gerne auch einmal das Smartphone aus.

Bitten Sie Ihren Partner/Ihre Partnerin, Ihnen eine Liste mit fünf Dingen zu erstellen, was er/sie gerne einmal mit Ihnen machen würde. Versuchen Sie je eine Aktivität pro Monat umzusetzen.

3. Geschenke, die von Herzen kommen

Manche Menschen gehen darin auf, andere verabscheuen es, Geschenke zu besorgen. Dabei kann Schenken frei von Druck etwas Schönes sein, was auf unser Gegenüber dann auch abfärbt. Ein Geschenk soll ein Symbol für Liebe, Verbundenheit, Vertrauen und Wertschätzung sein. Dabei spielt es keine Rolle, wie teuer dieses war oder ob es selbst gemacht wurde. Die Geste und die dahintersteckende Intention zählen. Spricht der Partner/die Partnerin diese Sprache der Liebe und man selbst kommt jedoch aus einer Familie, wo nie viel Geld dafür vorhanden war oder Geschenke nie besonders wichtig waren, weil man sich Liebe anders zeigte, so kann es durchaus eine Herausforderung sein, dies zu lernen. Dafür braucht es viel Fantasie, Kreativität, Mut und Einfühlungsvermögen.

Gleichzeitig sollten Geschenke nie als Ersatz für fehlende Zeit oder als Ausdruck der Besänftigung bzw. des schlechten Gewissens dienen. Sie sollen wirklich von Herzen kommen und den geliebten Menschen an das kostbarste Geschenk überhaupt erinnern: die gemeinsame Liebe. Sollte eine große Angst vor dem Schenken herrschen, weil man befürchtet, etwas Unpassendes gewählt zu haben, so darf hier gelernt werden, dass es nicht immer um gekaufte Gegenstände geht. Viel mehr können wir auch Zeit schenken, eine Kleinigkeit basteln oder anderweitig kreativ werden: Verschiedene Apps und Co. bieten uns inzwischen unzählige Möglichkeiten, etwas Individuelles zu gestalten oder einen Gegenstand mit Gravur zu verschenken. Erinnern wir uns an die Kindheit, wo wir in der Schulzeit oder im Kindergarten zum Mutter- und Vatertag oder für Weihnachten Geschenke gebastelt oder den Eltern spontan ein Bild gemalt haben. Genau diese Energie zeichnet diese Liebessprache aus.

Lässt sich Ihr Partner/Ihre Partnerin eher dieser Liebessprache zuordnen, so finden Sie anbei einige Anregungen:

Investieren Sie in nachhaltige Geschenke wie Bäume oder Sträucher, die Sie persönlich pflanzen. Auch ein selbst angelegtes Biotop oder ein liebevoll gestalteter Bereich auf der Terrasse können ebenso dazugehören wie große Zimmerpflanzen oder ein neu eingerichteter Entspannungsbereich im Badezimmer.

Auch symbolische Geschenke können ab und an die Beziehung stärken, zum Nachdenken anregen und mehr vermitteln als tausend Worte: Dies kann ein vierblättriges Kleeblatt, ein herzförmiger Stein oder ein Gegenstand sein, der an ein schönes gemeinsames Ereignis erinnert.

Selbstgestaltete Aufmerksamkeiten können oft mehr aussagen als gekaufte Dinge. Vielleicht darf es ein eigenes Bild, etwas Getöpfertes oder eine Schnitzerei sein, die Ihre Partnerin/Ihren Partner erfreut.

Wenn Sie sich beim Schenken schwertun, dann holen Sie sich Unterstützung bei Freunden oder Familienmitgliedern, die Ihren Partner/Ihre Partnerin gut kennen und sie dabei unterstützen. Alternativ können Sie in einem Notizbuch notieren, wenn Ihr Partner/Ihre Partnerin erwähnt, was ihr/ihm gut gefällt. So können Sie keinesfalls verkehrt liegen.

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4. Hilfsbereitschaft

Nicht selten ist es in Beziehungen so, dass sich einer abmüht und dennoch das Gefühl hat, nicht genug zu tun. Hier stoßen wir an die Grenzen der Eigen- und Fremderwartungen. Für jemanden mit der Liebessprache „Hilfsbereitschaft“ gibt es nichts Verletzenderes als ein Gegenüber, das den eigenen Aufwand nicht sieht, herumnörgelt und sich kaum selbst beteiligt. Der Kernpunkt besteht hierbei darin, dass man Dinge erledigt, kräftig mitanpackt und unliebsame Aufgaben abnimmt, damit es dem Partner/der Partnerin gutgeht bzw. er/sie sich freut. Dies bezieht weit mehr als den Haushalt oder familiäre Erledigungen mit ein: Vielmehr geht es darum, sich vom Partner/der Partnerin unterstützt zu fühlen bei den eigenen Zielen, Entscheidungen, Familienplanungen und der eigenen Entwicklung. Steht das Gegenüber mit Rat und Tat zur Seite, unterstützt bei der Umsetzung oder begleitet zu wichtigen Veranstaltungen, so ist dies der größte Liebesbeweis. Hier sollte man jedoch achtsam sein, da es nicht darum geht, sich vom Partner/der Partnerin jeden Wunsch von den Lippen ablesen zu lassen. Menschen mit dieser Liebessprache tun oft zu viel, weil Hilfsbereitschaft auch ihre eigene Liebessprache ist. Dabei wird durchaus übersehen, Rücksprache zu halten, ob der/die andere dieses Überengagement überhaupt möchte. Grenzüberschreitung und Übergriffigkeiten sollten keinesfalls passieren. Doch genau hier kommt es oft zum Streit. Der-/diejenige, der/die sich um alles kümmert, neigt dazu, sich zu wenig unterstützt zu fühlen, und das Gegenüber weiß nicht mehr, was er/sie noch tun so, um den Erwartungen zu entsprechen.

Demnach ist es ganz wichtig, möglichst klar zu kommunizieren, wo man sich Hilfe erbittet und gleichzeitig öfter selbst abzuklären, ob das Gegenüber überhaupt möchte, dass manche Erledigungen ausgeführt werden. Die Nuancen dieser Liebessprache sind hier ganz wichtig, um zu verstehen, was sich das Gegenüber wünscht.

Erkennen wir, dass die „Hilfsbereitschaft“ als Ausdruck der Liebe, so lässt sich vielleicht ab und an leichter darauf eingehen. Einige Beispiele sind:

Tun Sie einem nahestehenden Menschen Ihres Partners/Ihrer Partnerin aus ganzem Herzen Gutes oder unterstützen Sie ihn/sie bei einem Projekt oder Ziel.

Vervollständigen Sie geistig oder schriftlich den Satz: „Heute will ich dir meine Liebe zeigen, indem ich …“ Ergänzen Sie eine Aufgabe, wo Sie wissen, dass Ihrem Partner/Ihrer Partnerin sicher geholfen ist und er/sie sich freuen würde.

Bitten Sie Ihren Partner/Ihre Partnerin um eine Liste mit 10 Dingen, die er/sie dringend erledigt haben möchte. Die Priorität kann von 1-10 dazu notiert werden. Vereinbaren Sie einen Zeitraum, in dem Sie diese Aufgaben erledigen.

Wenn es bestimmte Hobbys, Serien oder andere Vorlieben Ihres Partners/Ihrer Partnerin gibt, sorgen Sie öfter dafür, dass er/sie diese Dinge genießen kann. Kümmern Sie sich in der Zwischenzeit um Erledigungen, damit Ihr Gegenüber danach kein schlechtes Gewissen hat, den Aufgabenberg aufgeschoben zu haben. ■

Vorschau: Im zweiten Teil folgt die fünfte Sprache der Liebe und Sie werden einen kleinen Test nach dem Begründer Gary Chapman finden, um das Modell der fünf Sprachen der Liebe noch ein bisschen greifbarer zu machen.

Leser:

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  • Philipp Feichtinger

    Zum Autor: Philipp Feichtinger

    Heilpraktiker, Naturheil- und Hypnosetherapeut, ausgebildeter Mittelschullehrer, Orgenetiker, Coach für Geistige Entwicklung und Autor, führt seine eigene Praxis in Riedau (Oberösterreich).

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